Du steckst gerade mitten in einer Ehekrise? Und weißt einfach nicht, wie Du diese bewältigen sollst? Wie Ihr beide Euch nun am besten verhalten solltet?

Ich kenne genau diese Situation nur allzu gut – leider. Auch deshalb habe ich mich so intensiv damit auseinander gesetzt. Weil ich wissen wollte, was nun am besten zu tun ist. Wie ich einigermaßen heil aus der Sache wieder heraus komme. Wie ich das Beste draus machen kann (so unmöglich mir das mitunter schien).

Deshalb erfährst Du hier von mir:

1) Wie man eine Ehekrise bewältigt

2) Was allgemeine Hinweise hierzu sind

3) Ob man eine Ehekrise bewältigen kann

4) und was ich als Fazit festzuhalten habe.


 

Wie bewältigt man eine Ehekrise?

Auf Eurer Kommode steht noch das Bild von Euch am Tag der Hochzeit. Ihr beide, strahlend glücklich. Nur Ihr zwei scheint zu existieren.

Jetzt erscheint dieses Bild fast wie Hohn. Eine ferne, allzu ferne Erinnerung an glückliche Zeiten. Die längst vergangen sind.

Denn nun lässt sie sich nicht mehr leugnen, die Ehekrise. Und die Frage ist nicht mehr, ob es überhaupt eine gibt. Sondern wie man diese bloß einigermaßen gut bewältigen kann.

Als erstes müssen wir herausfinden, wie schwer die Krise ist

Generell lässt sich sagen: Es gibt 3 Stufen einer Ehekrise! Jede einzelne Stufe ist anders. Und in jeder Stufe ist daher ein anderes, ganz spezifisches Verhalten gefragt:

Ehekrise auf Stufe 1:

Manuel und Elena streiten sich immer häufiger. Immer öfter passiert es ihnen, dass sie aneinander geraten, aus welchen Gründen auch immer. Die Stimmung zwischen ihnen ist grundsätzlich gereizter geworden.

Und manchmal scheint es, als suche einer von beiden nur nach einem Anlass, um Streit vom Zaun zu brechen. So klein der Anlass auch sein mag.

So fing Elena neulich an, wegen der herum liegenden Socke mit Manuel zu streiten. Ein ganz banaler Anlass, möchte man meinen. Nicht der Rede wert. Und es hatte sie in der Vergangenheit auch nicht groß gestört, dass er gerne eine Sockenspur in der Wohnung hinterließ.

Aber mit einem Mal kann sie genau darüber wohl nicht mehr hinweg sehen. Will es scheinbar gar nicht. Und es entsteht immer häufiger eine „Sockensituation“. Die dann schnell in einen sehr viel grundsätzlicheren Streit ausartet. In dem dann noch ganz andere Vorwürfe zu Tage gefördert werden…

Achtung! Noch sind die Streitereien vielleicht überschaubar. Und mitunter kann man im Nachhinein darüber – vielleicht nicht lachen. Aber ein wenig schmunzeln. Doch könnte darauf eine ernsthafte Krise erwachsen…

Achte deshalb auf folgende Anzeichen:

Anzeichen:

– Die Themen, um die es geht, sind immer die gleichen. Und die Situation eskaliert schneller als gewöhnlich.

– Nach Streit findet man sich wieder und redet. Das ist ein gutes Zeichen, ein hoffnungsvolles! Denn es zeigt, dass beide (!) noch ein Interesse daran, haben, sich wieder zu versöhnen. Einander wieder näher zu kommen.

– Man hört noch einander zu! Lässt ihn ausreden. Fällt ihm nicht dauernd ins Wort, um seinen Senf dazu zu geben. Auch das ist wichtig!

– Beidseitige Kompromissbereitschaft! Man ist dazu bereit, es besser zu machen. Auf den Anderen zuzugehen. Und dazu gehört nun mal, Kompromisse zu schließen. Ein wesentlicher Bestandteil einer funktionierenden Partnerschaft….

– Guter Sex „danach“. Der gute alte Versöhnungssex! Der kann teilweise sogar noch schöner und leidenschaftlicher ausfallen als im Alltag. Denn nicht selten hat man nach dem Streit noch „Feuer unter dem Hintern“ – das nehmen wir jetzt mal ganz wörtlich. Wenn es so ausgeht, dann umso besser!

– Man entschuldigt sich aufrichtig bei dem Anderen. Und das Aufrichtige ist in diesem Zusammenhang sehr wichtig. Schließlich muss man es auch so meinen! Bereit sein, es in Zukunft besser zu machen. Sein Verhalten zu überdenken. Sonst bleibt es bei schnöden Lippenbekenntnissen. Die am Ende keiner mehr glaubt.

Ehekrise auf Stufe 2:

Manuel und Elena sind aus den ersten Alarmsignalen leider nicht wirklich klüger geworden. Im Gegenteil: Die Situation verschärft sich – immer mehr.

Und die Streitereien häufen sich. Man hat das Gefühl, beide warten geradezu darauf! Wollen sich und dem Anderen keine Atempause gönnen. Und sobald der Schlüssel im Schloss umgedreht wurde, beginnt schon das Gezanke.

Beide nehmen die Situation so hin. Die Distanz zwischen ihnen wird größer und größer. Und fand am Anfang noch toller Versöhnungssex auf dem Sofa oder dem Küchentisch statt (keine weiteren Details an dieser Stelle), ist das nun längst nicht mehr der Fall.

Jeder geht in ein anderes Zimmer. Schmollt vor sich hin. Der Streit selbst bleibt ungelöst (und die Socken werden jetzt aus Prinzip schon nicht mehr aufgeräumt.) Der Streit wird nicht geklärt. Und kommt zu all jenen anderen zu, die ungelöst im Unterbewusstsein versammelt sind.

Die Krise spitzt sich also immer stärker zu. Und man wartet nur noch auf diesen sprichwörtlichen Tropfen, der das Fass schon bald zum Überlaufen bringt.

Meist gibt es einen, der in dieser Situation immer häufiger klein beigibt. Oftmals, weil er stärker liebt. Weil er unsicher ist. Weil er die Schuld eher bei sich sucht. Um „des lieben Friedens willen“ wird dann zurück gesteckt. Der Konflikt wird in sich hinein gefressen. Von verarbeiten kann hier keinerlei Rede sein.

Dir kommt dieses Szenario leider zu bekannt vor? Dann achte auf die folgenden Anzeichen:

– Nach Streits kommt es kaum oder sehr selten zu auflösenden Gesprächen. Jeder geht in (s)ein Zimmer. Schließt die Tür hinter sich. Flieht aus der Situation. Ohne sich um eine Bewältigung und Auflösung zu kümmern.

– Einer von beiden zieht sich immer mehr zurück. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn weniger Liebe mit im Spiel ist. Wenn die Gefühle für den Anderen kaum noch vorhanden sind. Wenn er immer weniger Lust hat, diese Beziehung überhaupt zu führen. Warum also sollte noch investiert werden?

– Die Aufmerksamkeit nimmt rapide ab! Dies schließt sich direkt an den vorherigen Punkt an. Aufmerksamkeit bedeutet nämlich: „Du bist mir doch noch etwas wert. Und deshalb richte ich meine Energie darauf, zu schauen, wie es Dir gerade geht. Deshalb bemühe ich mich, die Situation für Dich besser zu machen.“ Das aber ist längst nicht mehr der Fall. Und die einst so starke Aufmerksamkeit ist einer großen Gleichgültigkeit gewichen.

– Bei Streits geht einer oft eingeschnappt weg. Zieht sich in seine persönliche Schmollecke zurück. Und kommt nicht mehr auf den Anderen zu. Das ist oftmals ein Zeichen von Resignation. Man hat längst aufgegeben. Glaubt nicht mehr an die Beziehung, an eine Zukunft zu zweit. Daran, dass man den Anderen wirklich und wahrhaftig liebt.

Ehekrise auf Stufe 3

Wie geht es „unserem“ Pärchen jetzt? Leider nicht allzu gut. Denn die Stimmung im Hause Manuel und Elena ist äußerst kritisch.

Mittlerweile können sie sich gar nicht mehr normal unterhalten, ohne zu streiten. Praktisch jedes Gespräch endet darin, dass die beiden sich in den Haaren haben. Die Nerven liegen völlig blank – und zwar auf beiden Seiten.

Und für beide ist die Beziehung mittlerweile nur noch Anstrengung. Fast schon Qual. Es lässt sich nicht mehr leugnen: Die Krise hat ihren (derzeitigen) Höhepunkt erreicht!

Im Prinzip braucht es jetzt nur noch einen einzigen Streit. Der eskaliert. Und dann dazu führt, dass einer das Handtuch wirft. Und die Beziehung beendet. Noch ist dies nicht geschehen. Vielleicht auch, weil unbewusst beide darauf warten, dass der Andere diesen Schritt tut.

Diese Situation kommt Dir leider zu bekannt vor? Dann achte auf die folgenden Anzeichen:

– man regt sich über alles beim anderen auf. Alles, aber auch wirklich alles regt den einen an dem anderen auf. Warum er das schon wieder gesagt hat! Und warum hat er sich heute bloß nicht die Haare gekämmt? Dieses verknitterte Hemd angezogen? Warum hat sie den Geburtstag seiner Mutter vergessen? Dass macht er/ sie doch sicherlich mit Absicht!! (Merkst Du, wie sehr man sich über alles aufregen will??)

– Streits enden oft in Trennungen. Denn beide sind mit ihren Nerven völlig am Ende. Beide können eigentlich schon längst nicht mehr. Und gehen völlig auf dem Zahnfleisch. Eine Trennung wäre in diesem Fall fast schon eine Erlösung. Eine Befreiung – für beide.

– Keiner hört dem anderen mehr zu. Weshalb auch? Es lohnt sich doch ohnehin nicht…

– Keiner will mehr auf den Anderen eingehen. Das scheint es einfach nicht mehr wert zu sein. Die Kompromissbereitschaft ist gegen Null gesunken. Und der nächste Streit ist nur noch eine Frage der Zeit.

– Jeder führt sein eigenes Leben. Und geht immer häufiger getrennte Wege. Nicht selten gibt es schon längst getrennte Freundeskreise, eigene Hobbys. Die immer wichtiger werden. Bloß nicht zu viel Zeit zu Hause verbringen! Flucht ist hier das Stichwort.

– Die Gefühle sind praktisch nicht mehr vorhanden. Beziehungsweise von all den Streitereien überdeckt. Liebe: War da überhaupt was? Und warum fand man den Anderen eigentlich einst so unwiderstehlich? Diese Fragen kann man beim besten Willen nicht mehr beantworten…

Hinweis zu den Stufen einer Ehekrise

Diese Stufen bauen genau so aufeinander auf: Erst Stufe 1, gefolgt von Stufe 2. Und dann Stufe 3 – sofern vorher keine erfolgreichen Gegenmaßnahmen ergriffen werden, versteht sich.

Kann man eine Ehekrise bewältigen?

Noch ist es möglich, diese Krise zu bewältigen! Doch verlangt jede einzelne wie bereits erwähnt, nach einer eigenen, spezifischen Maßnahme….

Wie bewältige ich eine Ehekrise auf Stufe 1?

Sooo viel ist da eigentlich nicht zu tun – zumindest im Vergleich. Es reicht häufig schon aus, viel über die Probleme zu reden! Dem Anderen zuzuhören (Und das bitte wirklich).

Achtet auch darauf:

– wenn sich der andere zurückzieht

Sucht sofort ein klärendes Gespräch! Löst die Situation so rasch es geht auf! Sonst zieht da jeder seine eigenen Schlüsse. (Die teilweise ganz schön falsch sein können.)

– wenn es sich häuft

Bleibt am Ball. Entwickelt eine möglichst kompromissbereite Einstellung! Und zwar IHR BEIDE! (Sonst steckt nur einer ständig zurück. Und das ist nun wirklich nicht Sinn der Sache…)

Wie bewältige ich eine Ehekrise auf Stufe 2?

Schritt 1: Gemeinsames Gespräch fordern – in ruhiger Atmosphäre

Besonders dann, wenn sich einer zurückzieht! Lasst diesen Rückzug gar nicht erst zu. Sondern setzt gerade jetzt auf Zeit zu zweit – in Form eines gemeinsamen Gesprächs. (Und das ist jetzt wirklich wichtiger als ein Fußballspiel oder ein Telefontermin mit der Großtante).

Schritt 2: Jeder bekommt jetzt die Möglichkeit zu reden

Reden schön und gut – doch muss es natürlich auch richtig über die Bühne gebracht werden. Was ich damit meine? Bleibt möglichst ruhig! Seid bereit, auch den anderen und seine Sicht der Dinge anzuhören. Nehmt nicht alles gleich persönlich. Sprecht von EUREM eigenen, persönlichen Empfinden und erleben.

Pauschalisiert nicht. Sätze wie „ich empfinde es als verletzend…“ können unendlich viel Druck raus nehmen!

Schreibt dem Anderen nicht vor, was er zu tun hat. Das lässt sich keiner gerne sagen. Fasst Euch erst einmal an Eurer eigenen Nase.

Schritt 3: Lösung ansteuern

Oft führen solche Gespräche ins Nichts – leider! Es ist deshalb jetzt wichtig, Kompromisse einzugehen! Und das Gespräch in Richtung gemeinsame Lösungsfindung zu steuern!

Schritt 4: Planung mit Kompromiss erstellen!

Jetzt sollte geplant werden! Zeit, folgende Dinge aufzuschreiben:

Was brauche ich?

Was braucht er/sie?

Was führt zum Streit oder zu den Krisen? Was sind die Themen, die immer wieder aufkommen?

Wie kann man es abwenden? Es vielleicht gar nicht so weit kommen lassen?

Plan erstellen! Gemeinsam! So, dass jeder glücklich ist! Und mit diesem Plan gut leben kann…

Schritt 5: Gemeinsame Planung umsetzen!

Macht Euch sofort daran. Es gibt keine Entschuldigung (und auch keine Zeit), das auf die lange Bank zu schieben!

Wie bewältige ich eine Ehekrise auf Stufe 3?

Fest steht: Alles Reden hilft nicht mehr. Man findet kaum noch Zugang zum anderen! Die Ehe ist fast kaputt! Und was jetzt?

Schritt 1: Gemeinsames Gespräch bei einem Paartherapeuten suchen!

Denn ein neutraler „Schiedsrichter“ von außen kann jetzt vielleicht noch helfen. Eingreifen, wenn die Sache mal wieder eskaliert. Beiden das jeweilige Verhalten vor Augen führen. Und dessen Auswirkungen auf den Anderen…

Schritt 2: Wenn das nicht gelingt, dann räumliche Trennung veranlassen

Mitunter hilft alles nichts. Die Beziehung ist kaputt, ein für allemal. Räumlicher Abstand ist nun das Gebot der Stunde… (Und Unterschlupf bei der Familie oder Freunden sollte sich ja finden lassen. Oder man fährt in den Urlaub, sofern es passt und sich einrichten lässt.)

Schritt 3: Jeder sollte jetzt zu sich finden

Verarbeiten. Dabei ist es wichtig, das man sich in den anderen hinein fühlt und neue Perspektiven entwickelt! Und vor allem: Dass man zu sich findet! Eine Entscheidung trifft: Will man die Scheidung oder nicht? Wie fühlt sich diese Vorstellung überhaupt an? Ist man bereit, die Ehe, den Anderen los zu lassen?

Vielleicht gibt es ja noch Hoffnung. Dann ist jetzt die Chance da, den Anderen zu vermissen. Die erste Stufe, um wieder zueinander zu finden. Denn durch die räumliche Trennung merkt man mitunter, was man eigentlich an dem Anderen hat.

Das ging übrigens auch unserem Pärchen so. Sowohl Elena als auch Manuel merkten: Da ist doch noch was. Und die Lust darauf, sich wieder zu begegnen, den Anderen vielleicht noch einmal neu kennen zu lernen, die wuchs stetig.

(Manchmal kommt es aber nicht dazu. Dann ist eine Trennung auf Zeit die letzte Lösungsmöglichkeit. Aber eine recht effiziente…)

Schritt 4: Abwarten und an eigener Kompromissbereitschaft arbeiten

Schaut, wie und wann der andere reagiert! Welche Impulse kommen von ihm oder ihr? Geht an diese deeskalierend und lösungsorientiert heran! Und verweigert nicht den Kontakt – eine gewisse Kommunikation (per Nachrichten, z.B.) sollte schon sein…

Schritt 5: Entwicklung als Credo

Ihr befindet Euch auf einem guten Weg? Beide gehen mit? Und zeigen Kompromissbereitschaft?

Herzlichen Glückwunsch – Ihr seid auf einem sehr guten Weg! Und habt tatsächlich die Chance, die Krise zu überwinden.

Vielleicht kommt es dennoch immer mal wieder vor, dass einer Streit auslöst – oder es versucht. Auch weiterhin keine Kompromissbereitschaft zeigt. Wenn dem so ist: Lasst es sein! Und gebt einander frei…

Fazit

Eine Ehekrise geschieht stets in mehreren Stufen – in drei, um genau zu sein. In jeder einzelnen ist ein ganz bestimmtes Verhalten gefragt. Das man auch ohne großes Abwarten umsetzen sollte.

Wichtig ist, dass BEIDE daran arbeiten. Und zwar kontinuierlich. Bereit sind, auf den Anderen einzugehen. Ihm oder ihr zuzuhören. Kompromisse eingehen. Dann hat die Beziehung noch eine Chance. Und die Ehekrise kann bewältigt werden… (sofern noch wahre, echte Liebe im Spiel ist, versteht sich.)